
Viele Erwachsene beschäftigen sich erst spät mit der Frage, ob eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung hinter ihren Schwierigkeiten stehen könnte. Manche erleben seit der Kindheit Konzentrationsprobleme, innere Unruhe oder Impulsivität. Andere können ihren Alltag nach außen gut bewältigen, benötigen dafür jedoch sehr viel Kraft und ausgeprägte Kompensationsstrategien.
In unserer Praxis in Berlin-Hermsdorf bieten wir eine umfassende und leitlinienorientierte ADHS-Diagnostik für Erwachsene an. Ziel ist eine sorgfältige diagnostische Einschätzung und die Klärung, ob die bestehenden Beschwerden durch ADHS oder möglicherweise durch andere psychische oder körperliche Faktoren erklärt werden können.
Wann kann eine ADHS-Diagnostik sinnvoll sein?
Eine diagnostische Abklärung kann sinnvoll sein, wenn Sie bei sich über einen längeren Zeitraum mehrere der folgenden Schwierigkeiten beobachten:
- ausgeprägte Konzentrationsprobleme
- leichte Ablenkbarkeit
- Schwierigkeiten, Aufgaben zu beginnen oder abzuschließen
- häufiges Aufschieben wichtiger Tätigkeiten
- Probleme mit Planung, Zeitmanagement und Organisation
- Vergesslichkeit oder häufiges Verlegen von Gegenständen
- innere Unruhe und das Gefühl, ständig aktiv sein zu müssen
- impulsive Entscheidungen oder spontane Reaktionen
- schnelle emotionale Überforderung
- Schwierigkeiten bei der Regulation intensiver Gefühle
- wiederkehrende Probleme in Ausbildung, Studium oder Beruf
- Konflikte in Beziehungen aufgrund von Unaufmerksamkeit oder Impulsivität
- starke Erschöpfung durch den Versuch, Schwierigkeiten zu kompensieren
Einzelne dieser Merkmale kommen auch bei Menschen ohne ADHS vor. Für eine Diagnose ist deshalb nicht nur entscheidend, welche Symptome bestehen, sondern auch, seit wann sie auftreten, wie stark sie ausgeprägt sind und wie sehr sie verschiedene Lebensbereiche beeinträchtigen.
ADHS zeigt sich bei Erwachsenen unterschiedlich
ADHS wird häufig mit deutlich sichtbarer körperlicher Hyperaktivität verbunden. Im Erwachsenenalter kann sich die Symptomatik jedoch anders zeigen als bei Kindern.
Unaufmerksamkeit und Konzentrationsprobleme
Betroffene berichten beispielsweise, dass sie sich schnell ablenken lassen, Gesprächen nur schwer folgen oder längere Texte mehrfach lesen müssen. Routineaufgaben werden häufig aufgeschoben, während interessante Tätigkeiten zeitweise mit sehr intensiver Konzentration verfolgt werden können.
Innere Unruhe
Eine ausgeprägte motorische Hyperaktivität kann sich im Erwachsenenalter in ein Gefühl dauerhafter innerer Anspannung oder Getriebenheit verwandeln. Ruhephasen werden möglicherweise als unangenehm erlebt und es kann schwerfallen, gedanklich abzuschalten.
Impulsivität und Emotionsregulation
Impulsivität kann sich unter anderem in vorschnellen Entscheidungen, häufigem Unterbrechen, spontanen Ausgaben oder Schwierigkeiten beim Abwarten zeigen. Manche Erwachsene erleben außerdem schnelle Stimmungswechsel, eine niedrige Frustrationstoleranz oder besonders intensive emotionale Reaktionen.
Kompensation und Erschöpfung
Einige Menschen entwickeln über viele Jahre Strategien, mit denen sie ihre Schwierigkeiten nach außen ausgleichen. Dazu gehören beispielsweise übermäßige Kontrolle, detaillierte Listen, hoher zeitlicher Aufwand oder perfektionistisches Arbeiten. Diese Kompensation kann erfolgreich sein, zugleich aber zu erheblicher Erschöpfung führen.
Wie wird ADHS bei Erwachsenen festgestellt?
Es gibt keinen einzelnen Fragebogen oder medizinischen Test, mit dem sich ADHS zweifelsfrei nachweisen lässt. Eine verlässliche Diagnose entsteht aus der sorgfältigen Zusammenführung verschiedener Informationen.
Dabei wird unter anderem geprüft:
- ob die Beschwerden bereits in der Kindheit bestanden,
- ob mehrere Lebensbereiche betroffen sind,
- wie stark die Beeinträchtigungen im Alltag sind,
- ob die diagnostischen Kriterien für ADHS erfüllt werden,
- ob andere Erklärungen für die Beschwerden infrage kommen.
Fragebögen können wichtige Hinweise liefern, ersetzen jedoch kein ausführliches diagnostisches Gespräch.
Ablauf unserer ADHS-Diagnostik
Die Diagnostik umfasst in der Regel drei Sitzungen à 50 Minuten und mehrere aufeinander abgestimmte Bausteine.
Vorbereitung und Fragebögen
Vor dem ersten Termin erhalten Sie digitale Fragebögen zu Ihren aktuellen Beschwerden. Bitte bearbeiten Sie diese möglichst vollständig und in Ruhe.
Wenn vorhanden, können Sie außerdem folgende Unterlagen mitbringen oder vorab einreichen:
- Grundschulzeugnisse und spätere Schulzeugnisse
- frühere psychologische oder ärztliche Befunde
- Entlassungsberichte aus Kliniken
- Ergebnisse früherer ADHS-Diagnostik
- Informationen zu bisherigen psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen
Diagnostische Gespräche
In den persönlichen Gesprächen betrachten wir Ihre aktuelle Situation, Ihre Beschwerden und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Lebensbereiche. Dazu gehören beispielsweise Beruf oder Studium, Beziehungen, Alltagsorganisation und emotionale Belastungen.
Darüber hinaus wird Ihre Entwicklung seit der Kindheit einbezogen. Dabei geht es nicht nur um Defizite, sondern auch um individuelle Stärken, vorhandene Ressourcen und bereits entwickelte Bewältigungsstrategien.
Strukturiertes diagnostisches Interview
Ein wesentlicher Bestandteil ist ein strukturiertes Interview zu den diagnostischen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter. Die einzelnen Merkmale werden anhand konkreter Beispiele aus Ihrem Leben geprüft und eingeordnet.
Fremdbeurteilungen
Wenn möglich, beziehen wir ergänzende Fremdbeurteilungen ein. Diese können beispielsweise von Eltern, Geschwistern, Partnerinnen oder Partnern ausgefüllt werden.
Da ADHS bereits in der Kindheit begonnen haben muss, können Angaben von Personen, die Sie in dieser Zeit kannten, für die diagnostische Einschätzung besonders hilfreich sein. Eine Diagnostik ist grundsätzlich aber auch dann möglich, wenn solche Informationen nicht verfügbar sind.
Auswertung und Befundbesprechung
Nach Abschluss der diagnostischen Erhebung werden die Ergebnisse zusammengeführt und differentialdiagnostisch bewertet. Im abschließenden Gespräch besprechen wir mit Ihnen:
- ob die Kriterien einer ADHS erfüllt sind,
- welche anderen oder zusätzlichen Erklärungen infrage kommen,
- welche individuellen Stärken und Schwierigkeiten erkennbar sind,
- welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sein könnten.
Sie erhalten ausreichend Gelegenheit, Fragen zu den Ergebnissen und den empfohlenen nächsten Schritten zu stellen.
Warum ist eine Differentialdiagnostik wichtig?
Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Vergesslichkeit und emotionale Überforderung können unterschiedliche Ursachen haben. Ähnliche Beschwerden können beispielsweise auch im Zusammenhang mit folgenden Faktoren auftreten:
- Depressionen
- Angststörungen
- chronischer Stress und Überlastung
- Schlafstörungen
- traumatischen Erfahrungen
- Autismus-Spektrum-Störungen
- Substanzkonsum
- körperlichen oder neurologischen Erkrankungen
- Nebenwirkungen von Medikamenten
Außerdem können mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen. Eine sorgfältige ADHS-Diagnostik sollte sich deshalb nicht auf das Ausfüllen einzelner Fragebögen beschränken.
Kosten der ADHS-Diagnostik
Gesetzlich Versicherte
Bei gesetzlich Versicherten kann die ADHS-Diagnostik in unserer Praxis in Berlin-Hermsdorf bei entsprechender medizinischer Indikation grundsätzlich über die elektronische Gesundheitskarte abgerechnet werden.
Bitte bringen Sie zu Ihrem Termin Ihre gültige Gesundheitskarte mit. Ob sämtliche gewünschten diagnostischen Zusatzleistungen von der gesetzlichen Krankenversicherung umfasst sind, klären wir im individuellen Behandlungsverlauf.
Selbstzahlende
Für Selbstzahlende umfasst die ADHS-Diagnostik in der Regel drei Sitzungen à 50 Minuten. Jede Sitzung kostet 120,00 Euro. Daraus ergeben sich Gesamtkosten von:
360,00 Euro für das diagnostische Verfahren
Ein ausführlicher schriftlicher psychotherapeutischer Befundbericht kann auf Wunsch zusätzlich erstellt werden. Die hierfür entstehenden Kosten teilen wir Ihnen vorab transparent mit.
Privatversicherte und Beihilfeberechtigte
Ob eine private Krankenversicherung oder Beihilfestelle die Kosten vollständig übernimmt, hängt vom persönlichen Tarif und den jeweiligen Versicherungsbedingungen ab.
Wir empfehlen, vor Beginn zu klären, ob psychologische Testdiagnostik und die erforderlichen diagnostischen Gespräche erstattet werden. Gerne stellen wir Ihnen die dafür benötigten Informationen zu unserem diagnostischen Angebot zur Verfügung.
Wie geht es nach der Diagnostik weiter?
Wenn die Diagnose ADHS gestellt wird, besprechen wir mit Ihnen geeignete nächste Schritte. Abhängig von Ihrer persönlichen Situation können dazu gehören:
- Psychoedukation über ADHS
- ambulante Psychotherapie
- eine ADHS-Psychoedukationsgruppe
- Unterstützung bei Organisation und Alltagsstruktur
- Behandlung zusätzlicher psychischer Belastungen
- fachärztliche Beratung zu einer möglichen medikamentösen Behandlung
In unserer psychotherapeutischen Praxis verordnen wir keine Medikamente. Wenn eine medikamentöse Behandlung erwogen wird, empfehlen wir Ihnen die Vorstellung in einer entsprechend qualifizierten fachärztlichen Praxis.
Auch wenn sich der Verdacht auf ADHS nicht bestätigt, erhalten Sie eine fachliche Einordnung Ihrer Beschwerden und Empfehlungen für das weitere Vorgehen.
ADHS-Diagnostik in Berlin-Reinickendorf
Unsere Praxis befindet sich in der Wachsmuthstraße 12 in 13467 Berlin-Hermsdorf. Sie ist auch aus Frohnau, Tegel, Waidmannslust, Heiligensee, Lübars und weiteren Teilen von Berlin-Reinickendorf gut erreichbar.
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FAQ – Häufige Fragen zur ADHS-Diagnostik
Kann ADHS erstmals im Erwachsenenalter entstehen?
Nach den diagnostischen Kriterien beginnt ADHS bereits in der Kindheit. Die Schwierigkeiten können jedoch lange unbemerkt bleiben oder erfolgreich kompensiert werden. Manchmal werden sie erst sichtbar, wenn die Anforderungen in Studium, Beruf, Familie oder Alltag steigen.
Brauche ich für die Diagnostik meine Grundschulzeugnisse?
Grundschulzeugnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Sie können Hinweise auf bereits früh bestehende Konzentrationsprobleme, Unruhe oder Schwierigkeiten mit der Organisation geben.
Ist eine Diagnose ohne Angaben der Eltern möglich?
Ja. Angaben aus der Kindheit sind wichtig, können aber auch durch Schulzeugnisse, andere Bezugspersonen oder eine ausführliche biografische Anamnese erhoben werden.
Reicht ein Online-Fragebogen für die Diagnose aus?
Nein. Fragebögen sind nur ein Bestandteil der Diagnostik. Eine verlässliche Diagnose erfordert ausführliche Gespräche, ein strukturiertes Interview und die Prüfung möglicher anderer Ursachen.
Wie lange dauert die ADHS-Diagnostik?
Das diagnostische Verfahren umfasst in der Regel drei Sitzungen à 50 Minuten. Hinzu kommen die Bearbeitung der Fragebögen und gegebenenfalls die Zusammenstellung vorhandener Unterlagen.
Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Bei gesetzlich Versicherten kann die Diagnostik in unserer Hermsdorfer Praxis bei entsprechender Indikation über die Gesundheitskarte abgerechnet werden. Privatversicherte sollten den Umfang der Erstattung vorab mit ihrer Versicherung klären. Selbstzahlende zahlen für drei diagnostische Sitzungen insgesamt 360,00 Euro.
Stellen Sie auch Medikamente gegen ADHS ein?
Nein. Als psychotherapeutische Praxis verordnen wir keine Medikamente. Bei entsprechender Empfehlung sollte die medikamentöse Behandlung in einer dafür qualifizierten fachärztlichen Praxis geprüft werden.